Reflexe und Lernen

Das erste, was vom Kinderarzt bei Baby geprüft wird, ist das Funktionieren der  frühkindlichen Reflexe. Gründlich. Und bei jeder Untersuchung.
Eigenartigerweise verliert sich dieser Fokus mit dem Heranwachsen des Kindes – nur manchmal eben nicht der Reflex. Dass bei einem Kind mit Lernschwierig-keiten ein nicht integrierter Primärreflex Anteil haben könnte, daran denkt kaum jemand. Um aber eine stabile visuelle Wahrnehmung, ein stabiles Gleich-gewichtsempfinden, ein sicheres Reiz- und Hörempfinden entwickeln zu können, ist die Integration der Primärreflexe grundlegend.

Vielleicht kennen Sie die ein oder andere Verhaltensweise:
  • Das Kind ist eher „tapsig, ungeschickt“
  • Es bastelt oder malt nicht gern,
  • Es bewegt sich eher unbeholfen
  • Es fährt nicht gern Fahrrad, schaukelt nicht gern
  • Es übersieht öfter mal etwas
  • Es überhört öfter mal etwas, besonders bei Nebengeräuschen
  • Es ist eher unaufmerksam, unkonzentriert
  • Es ist sehr sensibel
  • Es hat Schwierigkeiten im Rechnen, im Schreiben und/oder beim Lesen
  • Das Leseverständnis ist nicht ausreichend vorhanden
  • Es kann zu Hause alles, in der Schule aber nicht
  • … etc.
Die aufgeführten Verhaltensweisen können Anzeichen für persistierende frühkindliche Reflexe sein.

Ein wichtiger Teil in meinem Lerntraining ist das Prüfen auf aktive frühkindliche Reflexe und das Training ihrer Integration.

Für alle Interessierten hier einige sehr gekürzte Informationen:
Quelle: Sally Goddard: Die Rolle primitiver Überlebensreflexe im visuellen System

Der Moro Reflex. verursacht oft eine hypersensitive Wahrnehmung, das Kind ist schnell „überladen“, es ist nicht mehr in der Lage, Informationen zu ordnen und Planungen vorzunehmen. Diese Kinder sind lichtempfindlich, leicht ablenkbar und damit unkonzentriert. Zudem stellen sich oft bei Stress die Augen „auf die Ferne“ ein, die Akkomodation (Regulierung Nah/Fernsicht) ist beeinträchtigt und somit ein Abschreiben von der Tafel z. B. kaum möglich.

Der Tonische Labyrinthreflex verursacht u. a. eine grundlegende Beeinträch-tigung des Gleichgewichtsgefühls und das visuelle Feld wird instabil. Beim Lesen können Linien nicht verfolgt werden, durch Lesesprünge werden Buchstaben oder Worte überlesen. Weiterhin können Kinder oft nicht Entfernungen und Geschwindigkeiten schätzen, schnelle Reaktionen sind nicht möglich.

Der Asymmetrisch Tonische Nackenreflex verhindert eine fließende Kreuzmusterbewegung beim Kriechen und Krabbeln, die wiederum die Ent-wicklung der Auge/Handkoordination und die sensorische Integration beein-flusst. Im Schulalltag können die Kinder die „Mittellinie“ (z. B. einer Buchseite oder der Tafel) nicht überqueren ohne Einbeziehen des Kopfes (Drehen) oder des ganzen Körpers. Deshalb werden beim Lesen oft Wörter oder auch ganze Zeilen weggelassen, lautes Lesen erfolgt ohne Betonung oder mit vielen Wiederholungen. Die Kinder  finden schlecht eine Augen-, Ohr,- Hand- oder Beindominanz. Außerdem fällt Abschreiben sehr schwer.

Der Symmetrisch Tonische Nackenreflex verursacht oft eine vorgebeugte Haltung am Schreibpult, die Kinder stützen den Kopf mit der Hand ab oder liegen auf einem Arm, weil die Körperspannung unbeabsichtigt verloren geht. Dadurch wird oft ein Auge und ein Ohr zugedeckt und es kommt als Folge zu Schwierigkeiten beim beidäugigen Sehen (Tiefen- und Entfernungswahr-
nehmung). Der Wechsel zwischen Fern- und Nahsicht ist erschwert, d.h. die Kinder verlieren beim Ballspielen z.B. den Ball kurz aus dem Sichtfeld und sind deshalb „ungeschickt“  beim Fangen.